Europatage

 
Wenn junge Leute frühzeitig an der Politik aktiv beteiligt werden, haben sie eine größere Chance, ihre eigene und unsere gemeinsame Zukunft mitzugestalten. Und junge Leute stellen zugleich fest, dass Information und Engagement auch für ihre eigene Zukunft (Ausbildung, Studium, Bewerben um einen Arbeitsplatz) konkret hilfreich sein können. Damit gegenseitige Information und der Dialog Jugend - Politiker auch über diesen Tag hinaus möglich werden, hoffen die Veranstalter auf die Verwirklichung der Idee von Jugendparlamenten auch auf der Ebene des Landes, des Bundes und der EU.
 
Europa ist nicht nur ein komplizierter Apparat fern in Brüssel - Europa lebt vor Ort, besonders in den Städte- und Schulpartnerschaften. Aber es hat oft den Anschein, als hätten junge Leute zu wenig Möglichkeiten sich einzubringen, Europa und Zukunft mitzugestalten. Um dies zu forcieren, hat das IPZ damit begonnen, (bundesweit) “Europatage für junge Leute” an weiterführenden Schulen auszurichten. Die jungen Leute sollen dabei ihre eigenen Ideen vortragen, mit Politikern diskutieren, aber auch die EU durch Interaktion, Spiele, Quiz und Internetrecherchen besser kennenlernen. Das Ziel dieser Veranstaltungen ist es, die Jugendlichen zum aktiven Mitmachen in der Politik und zum Einsetzten für eigene Rechte zu motivieren.
 


IPZ, Europa-Forum an der Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach. Von links die Diskutanten aus den Reihen der Schüler, Adrian Schlesiger und Yasmin Bas, IPZ-Vorsitzender Dr. Christoph Müllerleile und Europaabgeordneter Thomas Mann.
 

Während des Tages werden die Schüler und Schülerinnen über die Schul- und Städtepartnerschaften ihrer Stadt informiert sowie über die EU und ihre Chancen in Europa. In einer Europadiskussion mit Landes-, Bundes- und Europapolitiker können die Jugendlichen Fragen stellen. Darauf bereiten sich die Schülerinnen und Schüler vor indem sie im Vorfeld viele Fragen sammeln. Nach der Diskussion im Plenum können die Jugendlichen in einzelnen Gesprächskreisen mit den Referenten nachfragen und weitere Ideen und Wünsche einbringen. In einem Quizbogen haben ferner alle Jugendlichen Gelegenheit, ihre Meinungen zu vielen aktuellen Politikfeldern und Zukunftsfragen darzustellen. Studierende und Hochschulabsolventen informieren sodann in Arbeitsgruppen über praktische Fragen und ihre Erfahrungen mit Studieren, Arbeiten, Praktika im Ausland, über Fördermöglichkeiten für Austausche, Jugendprojekte, Reise- und Sprachstipendien.
 
Nicht nur mehr Information über die EU und Dialog mit der Politik sind Ziele dieser Veranstaltung, sondern auch das eigene Engagement junger Leute in Aktionen für andere - in ihren Heimatorten, in Schule und Vereinen.
 


Sich informieren - Mitreden - sich engagieren
PROGRAMM

9.00             Begrüßung durch Schulleitung und Schülersprecher: Unsere Schulpartnerschaften - Europaprojekte - Austausche
 
9.20             Wo junge Leute in Europa aktiv mitmachen können
                     Information zu den Zielen und zum Ablauf dieser Veranstaltung (Leiter/Mitarbeiter des IPZ)
 
10.00           Diskussion zu Europa- und Zukunftsfragen,  aktueller Politik und Wünschen junger Leute
                     Eingeladen dazu werden Abgeordnete des Europa-Parlaments, des Bundestages, des Landtages (Europa-          
                     Ausschuss) und von Ministerien. Mit im PODIUM: Schülervertreter (bringen u.a. Fragen von Mitschülern vor)

 
11.30          Gesprächskreise mit den Teilnehmern des Podiums
                     Vertiefung der Themen - Schwerpunktthemen aus dem Vorschlagskatalog wie: Vertrag von Lissabon, Erweiterung     
                     der EU, Zukunft Europas, Finanzkrise, Braucht Politik junge Leute? Globalisierung und Solidarität
, Toleranz und
                     Miteinander, Zukunftschancen junger Menschen

 
12.30          Arbeitsgruppen (Mit Studierenden mit Auslandserfahrungen / IPZ-Mitarbeiter(innen)
                    A. Bausteine für die berufliche Zukunft / Jugend in Europa / Verbesserung von Bewerbungschancen / Sprachkurse, 
                        Reisestipendien, Jugendinitiativen

                    B. Praktika, Studium, Lernen und Arbeiten in einem anderen Land
                    C. Mehr von der EU verstehen: Institutionenspiel, Europa-Länder-Quiz, Fallbeispiele

13.20        Ein Europa-Quiz zum Abschluss                   

Durchgehend
:
- Europaliteratur - Europa im Internet - Tandem-Quizspiel - Plakatspiele - Puzzle    

- Welche Möglichkeiten bieten unsere Partnerstädte? (Partnerschaftskomitee, Kommune)
- Wo und wie Schüler / Schulklassen aktiv mitmachen können       


Europa kein Zeichen des Rückschritts, sondern des Fortschritts

IPZ-Europatag am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim: Signal gegen "Rechts"

Pulheim (red). „Wir sind bereit mit der Vielfalt und den Unterschieden umzugehen.“ Mit dieser Aussage charakterisierte der Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Pulheim die vielfältigen Aktivitäten der Schule zum Thema Europa. Seinen einführenden Worte zum 123. Europatag für junge Leute des Instituts für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit e.V. (IPZ) im Rahmen eines europäischen Aktionstages der Lehreinrichtung war zu entnehmen, dass der europäische Gedanke von den Schülerinnen und Schülern aktiv gelebt werde.

Rund 120 Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Pulheim verfolgten die Aussagen der politischen Vertreter bei der Podiumsdikussion.



IPZ-Geschäftsführerin Anna Noddeland gab Beispielantworten
auf die Frage: "Was wäre, wenn wir Europa nicht hätten?"



Was auch den Ausführungen einiger Schüler zu entnehmen war. „Die sind gar nicht so anders wie wir“, lautete das Resümee der fünf Jugendlichen nach Aufenthalten im europäischen und außereuropäischen Ausland. Aussagen, die ebenso von den anwesenden Politikern in der anschließenden Diskussion vertieft wurden. Zuvor hatte IPZ-Geschäftsführerin Anna Noddeland das IPZ sowie das Programm des Europatages vorgestellt. Zu Letztgenanntem konnte sie neben den rund 120 Schülerinnen und Schülern das Mitglied des Europäischen Parlamentes, Axel Voss (CDU), den Landtagsabgeordneten der SPD Guido van den Berg sowie dessen Landtagskollegen Ralph Bombis (FDP) begrüßen. Bevor die Gäste für die Podiumsdiskussion mit den Themen „Europa- und Zukunftsfragen“ sowie „die Rolle Deutschlands in Europa“ das Wort ergriffen, gab Noddeland Beispielantworten auf die Fragen: „Was wäre, wenn wir Europa nicht hätten?“ Ebenso stellte sie das heutige Europa in Kurzform vor. Die Ausführungen Noddelands und die der Politiker in der sich anschließenden Podiumsdiskussion vertieften die 120 Schülerinnen und Schüler im Anschluss in diversen Workshops und Arbeitsgruppen. Finanziell gefördert wurde der 123. Europatag von der EU mit dem Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“.

Eröffnet wurde der 123. Europatag für junge Leute durch Schulleiter Andreas Niessen (links). Auf dem Podium hatten Platz genommen (von links) Franz-Robert Linden und Johanna Stöckler von der Europa-AG, SPD-Landtagsabgeordneter Guido van den Berg, sein FDP-Kollege Ralph Bombis, Europaabgeordneter Axel Voss (CDU) und IPZ-Geschäftsführerin Anna Noddeland, die auch die Veranstaltung moderierte.


Zum Start der Podiumsdiskussion hatten die Vertreterin und der Vertreter der schulischen Europa-AG, Johanna Stöckler und Franz Robert Linden, Fragen zu verschiedensten Themen vorbereitet. Eine der Fragen lautete, ob Europa eine Zukunft habe. Worauf der Vertreter der SPD eindeutig antwortete: „Europa ist kein Zeichen des Rückschritts, sondern des Fortschritts.“ Was in der Diskussion weitere Fragen aufwarf, wie zum Beispiel „wie wichtig sind Europa und der Euro?“ oder „sind wir Europäer und helfen einander, auch in der Krise?“ Das war das Stichwort für Fragen auch zu derzeit kritisch diskutierten Themen, so zum Beispiel Waffenexporte von EU-Ländern. Die Parlamentsvertreter waren sich dazu einig, dass Deutschland eine deutliche Veränderung bei der Rolle im Waffenexport anstreben sollte. Wobei Bombis klar aussagte, „wer A sagt, muss auch B sagen“. Damit unterstrich er, wie seine Kollegen, dass man auch in Sachen Waffenexport die im Bündnis eingegangenen Verpflichtungen einhalten müsse. Kritisch zu sehen seien derartige Exporte aber grundsätzlich, wenn in den Empfängerländern Probleme bestehen. Grundsätzlich sollten Waffen aber nur in Länder exportiert werden, wenn sie zu deren Verteidigung dienen und nicht um Angriffe zu führen. Der Europaabgeordnete bestätigte die differenzierte Sichtweise. Man könne nicht alles über einen Kamm scheren. Die parlamentarische europäische Ebene sei sich aber darüber einig, dass Konfliktherde befriedet werden sollten, aber nicht mit Waffengewalt.

Einmütig richteten die politischen Vertreter ihre Forderung an die Schülerinnen und Schüler, dass sie sich im Sinne Europas engagieren sollten. Zu kritischen Anmerkungen über das europäische Bündnis und der Debatte der Finanzkrise führten die Parlamentsvertreter aus, dass Europa nicht infrage gestellt werden darf. Auch wenn der eine oder andere Fehler gemacht werde. „Wir üben ja noch. Es gibt keinen Europaplan am Reißbrett, alles ist neu“, erklärte Bombis.

Mit Spannung wurden die Antworten auf die Frage der Fördermöglichkeiten von Jugend- oder Schüleraustauschen erwartet. Voss erinnerte daran, dass die Mitgliedstaaten gefordert sind, die finanziellen Mittel für gemeinschaftliche Projekte bereitzustellen. Es komme allerdings weniger Geld von den Geberstaaten. Dies habe zur Folge, dass weniger Geld auch für Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen werde. Konkrete Aussagen zum augenblicklichen Stand konnte der Europaabgeordnete nicht machen. Es sei zwar das letzte Wort noch nicht gesprochen, aber die Tendenz zeige, dass auch bei den Fördermaßnahmen für Jugend- und Schüleraustausch Einsparungen vorgenommen werden. Eine Entwicklung, die Noddeland mit der Aussage kommentierte, dass dies „ein falsches Signal“ sei.

Weitere Themen in der Podiumsdiskussion waren unter anderen der Auslandshandel und Strafzölle oder die Energiewende. Themen, die anschließend auch in den Workshops in kleineren Gruppen von den Politikern mit Schülern diskutiert wurden. Wobei der Europaabgeordnete deutlich machte, dass Europa in der Krise stecke. Dies aber kein Grund sei, an der Zukunft Europas zu zweifeln. Eine Aussage, der sich alle Beteiligten bei der Evaluierung des Europatages anschlossen. Schülersprecher Robin Rump verdeutlichte in seinem Schlusswort zu der Veranstaltung, es sei ein Irrtum, in der Finanzkrise Europas zu behaupten Europa sei fehlgeschlagen. Jahrzehnte langer Frieden zwischen den Ländern sei Grund genug, dass auch finanzielle Probleme die Einheit nicht erschüttern dürfen.

                  
 
                

Die politischen Vertreter und Mitarbeiterinnen des IPZ moderierten nach der Podiumsdiskussion verschiedene Workshops und Arbeitskreise. 


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