Internationale Partnerschaften und Projekte in den Schulen

Die internationalen Schulpartnerschaften leisten einen wesentlichen Beitrag zur Völkerverständigung, dem Abbau von Vorurteilen und der Vorbereitung der jungen Generation auf eine globalisierte Gesellschaft. Früher wie heute bildet das Engagement der einzelnen Schulen und Lehrkräfte einen wichtigen Rahmen für den Erfolg dieser Schulpartnerschaften. Das IPZ unterstützt seit über 30 Jahren die Akteure der kommunalen und schulischen Partnerschaftsarbeit und will in diesem Jahr mit Netzwerktreffen die Multiplikatoren zusammenbringen.


Die Veranstaltung möchte alle Schulen, Lehrkräfte und sonstige Akteure der internationalen Schularbeit (z.B. Partnerschaftsvereine und -beauftragte) ansprechen und vernetzen.

Nach den Auftaktveranstaltung im Vorjahr laden wir Sie nun herzlich zu weiteren Netzwerktreffen ein (siehe Unsere Termine).


Europa wird daran gemessen, wie die Leute ihr Leben vor Ort erfahren

Netzwerktreffen „Europas Vorteile sichtbar machen – Ideen und Chancen für Städtepartnerschaften“ am 14. November 2016 in Nassau

Die Europäische Union ist nicht nur an den aktuellen Krisen zu messen, sondern auch an ihren Errungenschaften. Nicht umsonst wurde der Europäischen Union im Jahr 2012 der Friedensnobelpreis verliehen: Frieden und offene Grenzen sind auf unserem Kontinent längst eine Selbstverständlichkeit. Und wie sähe Europa heute ohne die EU aus?

Die aktuelle Wahrnehmung wird jedoch durch die Krisen in Europa und weltweit dominiert. Rechtspopulistische Bewegungen wachsen in den meisten Mitgliedsstaaten und gerade auch viele junge Menschen, beispielsweise in Polen, möchten zurück zu den „alten Werten“ und einer Kleinstaaterei, die am Fundament des Europäischen Projekts sägen würde. Angesichts der Zunahme von Krisenherden in unserer Nachbarschaft wächst das Bedürfnis nach mehr Sicherheit - gleichzeitig benötigen wir eine Diskussion, wie mit Schutzsuchenden aus dem nicht-europäischen Ausland umzugehen ist.

                                                                 

Für Jutta Steinruck, Abgeordnete im Europäischen Parlament und Gastreferentin beim IPZ-Netzwerktreffen in Nassau, sind dies die zentralen Fragen, denen sich die Europäische Union in den kommenden Jahren stellen muss. Angesichts der zunehmenden Abkehr vom europäischen Projekt hob sie die besondere Bedeutung von Städtepartnerschaften hervor. So würde sie sich wünschen, dass die 1,5 Milliarden Euro, die für die kostenlose Vergabe von Interrail-Tickets an alle 18-Jährigen in Europa bereitgestellt eventuell werden sollen, für die Förderung von Partnerschaftsprojekten verwendet würden.

Auch bei den Teilnehmenden stieß der Vorschlag des Interrail-Tickets auf wenig Gegenliebe. Es wurde allgemein bezweifelt, dass junge Menschen auf diese Weise für Europa gewonnen werden können. So sei das Geschenk nur für diejenigen nutzbar, die auch von Haus aus ausreichend Vermögen für eine wochenlange Reise besitzen und würde die Ungleichheit in Europa so eher stärken als ein vereinendes Erlebnis einer ganzen Generation kreieren. Darüber hinaus sei eine Auseinandersetzung und Annäherung an Europa durch eine Zugreise kaum zu garantieren. Viel lieber sähen die Diskutanten die benötigten Gelder in die Förderprogramme Erasmus+ und Europa für Bürgerinnen und Bürger investiert, wo sie der nachhaltigen Förderung von Völkerverständigung und europäischer Zusammenarbeit dienen könnten. (Siehe hierzu auch den beigefügten Pressetext des IPZ zu diesem Thema)

                                                             

Wie diese partnerschaftlichen Beziehungen gelebt werden und wie sie intensiviert werden können; diesen Fragen widmete sich der zweite Teil des Netzwerktreffens. Dabei hallte auch Jutta Steinrucks Plädoyer, die kommunalen Partnerschaften stets europäisch zu denken und den Bildungsauftrag EUROPA ernst zu nehmen, in den Gesprächen nach. Zum Auftakt stellte Armin Wenzel, Bürgermeister der Stadt Nassau an der Lahn, die lebendigen Beziehungen zwischen dem französischen Pont-Château und seiner Stadt vor. Dazu gehört unter anderem ein jährlich im Wechsel ausgerichtetes Kolloquium, bei dem intensiv zu Themen gearbeitet wird, die beide Städte angehen, wie etwa der Austausch von Praktikanten und die Rekrutierung von Nachwuchs über Facebook. Ein neues Projekt ist die feste Etablierung von Ladenlokalen in beiden Städten, die Produkte aus der Partnerstadt verkaufen, und so ganzjährig für die internationalen Beziehungen der Stadt werben.

Bericht: Marijke Mulder


Ab dem Herbst "Europas Vorteile sichtbar machen - Ideen und Chancen für Städtepartnerschaften"

Nach den ersten Netzwerktreffen für Kommunen im Frühjahr und im Sommer zum Thema "Partnerschaftsarbeit in Krisenzeiten", setzen wir nun unsere Reihe fort mit dem neuen Thema, denn der Schock sitzt tief, nur wenige hatten es erwartet: Die Bürgerinnen und Bürger Großbritanniens haben für den Brexit und gegen eine weitere Beteiligung ihres Landes am europäischen Integrationsprozess gestimmt. Diese Entscheidung stellt die Europäische Union auf die Probe. Spätestens jetzt müssen wir uns Gedanken über die mögliche Zusammenarbeit in der Zukunft machen und Verbesserungsvorschläge erarbeiten, um Europa bürgernäher zu gestalten.


Vielleicht ist dies eine Chance, gute partnerschaftliche Beziehungen zu reaktivieren? Können die Partnerschaften nun wieder auf eine Hochphase hoffen? Das große Interesse der breiten Öffentlichkeit für Europa, die EU und die internationale Zusammenarbeit bietet auf jeden Fall eine Chance, die genutzt werden sollte. Die Ereignisse bieten eine Gelegenheit, um über die Vorteile einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union zu sprechen.

 

Im Netzwerktreffen des IPZ widmen wir uns der aktuellen Situation und den Herausforderungen für alle international und partnerschaftlich aktiven Multiplikatoren in Vereinen und Kommunen.

Die nächsten Termine finden statt in Frankenberg (Hessen) am 10.10.2016, Brackenheim (BW) am 24.10.2016, Neumünster (SH) am 3.11.2016 und Nassau (RP) am 14.11.2016. Die Programme werden fortlaufend unter Termine veröffentlicht, sobald die Referenten feststehen. Alternativ können Sie gerne die Einladung in der Geschäftsstelle anfragen oder sich für die Einladungsliste registrieren.



3. Netzwerktreffen für Schulen „Internationale Partnerschaften und Europaprojekte in der Schule“
am 23. August 2016 in Bad Pyrmont

Europaschule als Unique Selling Point

Direkt nach den Sommerferien lud das IPZ erneut zum Netzwerktreffen für Schulen mit internationalen Kontakten. Zahlreiche Lehrkräfte und vereinzelte Partnerschaftsbeauftragte der Kommunen folgten dem Aufruf und trugen zu einer lebendigen Tagung zu den Schwerpunkten Best Practice, Projektplanung und -durchführung, Ideen für den Europaalltag in den Schulen, Partnersuche und Motivationsideen für Schüler (und Kollegen!) bei.

Ganz im Sinne der Netzwerkidee berichteten erfahrene Lehrkräfte wie Kollegen vorbereitet und in der Europathematik integriert werden, wie Förderung am einfachsten zu aquirieren ist und wie Stundenkonten durch die Mehrarbeit der Lehrkräfte abzurechnen sind. Vor allem die praxtischen Tipps standen bei den Diskussionen zentral; wie auch die generelle Entscheidung, ob es sich um den Titel „Europaschule“ zu bemühen lohne. Norbert Deide von der Handelslehranstalt Hameln erläuterte, dass eine Delegation seiner Schule sich überlegt habe, welchen „usp“, welches Alleinstellungsmerkmal sie auswählen könnten, um sich von anderen Schulen abzuheben. Man einigte sich auf Europa und die Europaschule.

Dagmar Kiesling, Koordinatorin für europäische und internationale Angelegenheiten in der Niedersächsischen Landesschulbehörde, Regionalabteilung Hannover, erläuterte die Angebote ihrer Behörde. Dabei handelt es sich um Beratungsangebote und Assistenz bei der Antragsstellung. Das Hauptziel des EU-Programms Erasmus+ ist „Fit machen für den europäischen Arbeitsmarkt“. Es ist deshalb entscheidend, dass dieses Ziel im Projektplan aller Bewerberschulen integriert ist. Auch aktuelle Fragen wie Migration und Integration sollten bevorzugt thematisiert werden.

Auf großen Zuspruch stieß der Vortrag über das laufende Erasmus+-Projekt der Stadt Bad Pyrmont mit dem Titel „Kriegsgräber – mahnende Zeugen der Geschichte“. Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel für die Kooperation zwischen Stadt, Schule und Partnerschaftsverein. Es handelt sich um ein zweigeteiltes Projekt mit einem Treffen in Bad Pyrmont und einem Treffen in der italienischen Partnerstadt Anzio, das noch aussteht. Der Projektkoordinator Jens Luker erläuterte, wie direkt nach dem positiven EU-Bescheid ein Aufruf in der Zeitung nach Unterstützung und Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges erfolgte. Unerwartet war die Entwicklung des Projekts zu einem Wirtschaftsfaktor in der Stadt, denn Restaurants und Betriebe haben stark profitiert. Sehr erfreulich ist die Nachhaltigkeit, denn es zeichnen sich Besuche im Landtag, bei Sponsoren und Akteuren ab, bei denen das Projekt, die Partnerschaft, die Akteure und der Europagedanken zum Tragen kommt. Die freiwillige Arbeit der Schülergruppen in den Sommerferien, unter anderem um einen Film zu schneiden, beweist, wie groß das hervorgerufene Engagement unter den Teilnehmenden ist. Das Projekt ist nun zur Hälfte um, die Erwartungen an den zweiten Teil sind groß.

 

Die Jugendliche haben ihre Erwartungen vor und Erfahrungen nach dem Treffen in Bad Pyrmont schriftlich festgehalten.

Ein Thema der Netzwerktagung war der hohe Arbeitsaufwand der zuständigen Lehrkräfte. Häufig sind die Europakoordinatoren in den Schulen Einzelkämpfer, die bei ihrem Kollegium und teils auch bei der Elternschaft um die Projekte ringen müssen. Ein Projekt kann nach Meinung von Nobert Deide nur laufen, wenn mindestens fünf Kollegen beteiligt sind. Er empfiehlt, die Kollegen zu internationalen Projekten einzuladen und auch „Bonbons“ wie die Teilnahme an Jobshadowings bei einer ausländischen Partnerschule im Rahmen von Erasmus+ für sie vorzubereiten. Jede Schule kann dafür  jährlich einen Teamantrag stellen. Die Erfahrung zeigt, dass Kolleginnen und Kollegen, die einmal an einem Projekt beteiligt waren, eine neue und positivere Sichtweise auf die Europathematik entwickeln. Die Einbindung von Europa in den Schulalltag ist essentiell, so waren sich alle einig, denn die Schülerinnen und Schüler merken spätestens bei Praktika oder Bewerbungen bei Firmen, dass Englisch vorausgesetzt wird und selbst im kleinsten Ort die Firmen internationale Beziehungen pflegen und interkulturelle Kompetenzen der Mitarbeiter als selbstverständlich erachten.

 


2. Netzwerktreffen für Schulen „Internationale Partnerschaften und Europaprojekte in der Schule“
am 15. Juni 2016 in Bocholt

Erfahrungsaustausch und Europaprojekte


Bocholt (EUBOH) - Am Mittwoch, 15. Juni 2016, fand zum Thema „Internationale Partnerschaften und Europaprojekte in der Schule“ das zweite Netzwerktreffen des Instituts für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit e. V. (IPZ) im Rathaus der Bocholt statt. 47 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Schulen und Kommunalverwaltungen aus ganz Nordrhein-Westfalen tauschten sich in Bocholt aus.

Begrüßt wurden die Gäste von der Ersten stellvertretenden Bürgermeisterin Elisabeth Kroesen. Sie freute sich, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Europastadt Bocholt vorzustellen. Im Jahr 1993, so Kroesen, erhielt Bocholt die höchste europäische Auszeichnung – den Europa-Preis – vom Europa-Rat verliehen.

EUREGIO unterstützt Schulen

Marie-Lou Perou von der hiesigen EUREGIO stellte die Unterstützungsangebote der EUREGIO sowie praktische Beispiele und Perspektiven bei internationalen Schulpartnerschaften vor. Gerade für kleine (bis 1.000 Euro) und mittlere (bis 25.000 Euro) Zuschüsse hat die EUREGIO im Programm „INTERREG VA-Deutschland-Niederlande“ Möglichkeiten, grenzübergreifende Projekte zwischen Schulen finanziell zu unterstützen.

„Ziel ist Begegnungen, die dem Kennenlernen und der Zusammenarbeit dienen, zu fördern“, so Perou. Weitere Informationen zu den Fördermöglichkeiten der EUREGIO findet man auf der Homepage www.euregio.eu unter dem Stichwort Förderungen.

Europaprojekte des Mariengymnasiums

Wilfried Flüchter, Schulleiter der Europaschule „Mariengymnasium Bocholt“ stellte in seinem Praxisbericht die Europaprojekte und Schulpartnerschaften des Gymnasiums vor. „Menschen zusammen zu bringen“, so Flüchter, „ist das Ziel dieser Projekte“. Das Mariengymnasium hat bereits 5 sogenannte Comenius-Projekte, die ab 2016 von den Erasmus+-Projekte abgelöst wurden, zu unterschiedlichen Themen durchgeführt. Jährlich nimmt die Schule auch an europäischen Wettbewerben teil. Außerdem ist die Fachschaft Kunst nicht nur bei drei Comenius-Projekten aktiv dabei gewesen, sondern hat bereits drei große Ausstellungen zu europäischen Themen organisiert. So hat die Kunstklasse sich im Jahr 2015 beispielsweise in der Ausstellung „Licht und Schatten“ mit den europäischen Handelsbeziehungen beschäftigt. Dieses Projekt wurde vom IPZ 2015 als „Bestes Jugendprojekt 2015“ bundesweit ausgezeichnet.

Berufsschule international gestalten

Nicole Kroll und Heinz Hansmann, Europakoordinatoren am Berufskolleg am Wasserturm, berichteten über Ihre Erfahrungen mit dem EU-Programm „Erasmus +“. Hansmann, der einer von 17 Koordinatoren in NRW für dieses Programm ist, beschrieb gemeinsam mit Kroll außerdem die Möglichkeit für Auslandspraktika. Diese würden für Schüler immer wichtiger werden. Hier könne man, so Hansmann, auf die Vermittlung von Bocholter Unternehmen zählen. Denn diese könnten Praktika mit ihren europäischen Kooperationspartnern oder direkt in ihren Zweigstellen Praktika anbieten. Wichtig sei, so Kroll, dass ein Team sich um die aufwendigen Projekte kümmert und die Schulleitung hinter diesen steht.

Zuschussmöglichkeiten für Schulpartnerschaften

Anna Noddeland, Institutsleiterin des IPZ, stellte am Ende der Veranstaltung die Zuschussmöglichkeiten für Schulpartnerschaften über europäische, Landes- und Bundes- Programme sowie Stiftungen vor. Das IPZ berät Kommunen, Partnerschaftskomitees und Bildungseinrichtungen in Praxisfragen und steht auch Nicht-Mitgliedern für Fragen nach Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Nähere Informationen zum IPZ findet man auf der Homepage: www.ipz-europa-de.  

Die jetzige Veranstaltung wurde vom Europe-direct Informationszentrum Bocholt unterstützt.

Bericht: http://www.bocholt.de/rathaus/nachrichten/artikel/europabuero-bocholt-ipz-netzwerktreffen-mit-schulen-im-bocholter-rathaus

 



2. Netzwerktreffen für Kommunen am 18. Mai 2016 in Oberursel

Partnerschaftsarbeit stabilisiert Beziehungen in der Krise

Städtepartnerschaften sind Kärrnerarbeit. Sie laufen nicht von selbst. Aber wirklich in der Krise befinden sie sich – jedenfalls in Deutschland – nicht. Das ist eine der Schlussfolgerungen aus dem zweiten Netzwerktreffen des IPZ am 18. Mai in Oberursel. Dass sich die Welt in Krisenzeiten bewegt und die kommunale „Außenpolitik“ davon betroffen ist, wurde allerdings ebenfalls deutlich. Viele Kommunen haben ihre Etats für internationale Beziehungen heruntergekürzt und verlassen sich auf privates Engagement. Auch Brüssel reduziert seine finanziellen Aufwendungen für Bürgerbegegnungen trotz steigenden Bedarfs deutlich. Der Volksentscheid um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union beeinflusst die Beziehungen zwischen deutschen und englischen Kommunen durchaus. Aber ansonsten zeigen sich die kommunalen Partnerschaften als stabilisierendes Element der europäischen Beziehungen.

Bei der Tagung in Oberursel wurde deutlich, dass es noch wenige Verbindungen zwischen der Flüchtlingsarbeit der Kommunen und den internationalen Beziehungen der Städte und Gemeinden gibt. Zwar sind viele Freiwillige der Partnerschaftsarbeit auch als Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe tätig, aber es gibt eine Trennlinie zwischen den selbst ausgesuchten Partnern und denjenigen, die ihre Heimat aus Not und wegen Verfolgung verlassen, um vorübergehend oder auf Dauer in Deutschland zu bleiben. Gabriela Wölki, Koordinatorin des Netzwerks Flüchtlingshilfe der Stadt Oberursel, stellte fest, Gästen aus Oberursels Partnerstädten falle es manchmal schwer, die Willkommenskultur in Deutschland zu verstehen, weil jedes Land seine eigenen Erfahrungen mit Migranten und Heimatvertriebenen gemacht habe und mache. Das Thema sollte aber bei den Begegnungen nicht ausgespart werden.

Birgit Röher, Vorsitzende des Oberurseler Partnerschaftsvereins, verwies auf umfangreiche Aktivitäten mit den vier Oberurseler Partnerstädten. Was die Begeisterung junger Leute für diese Arbeit angeht, so macht sich der Verein keine Illusionen und zählt lieber auf Engagierte ab 45 Jahren. Die Arbeit selbst müsse aber alle Altersgruppen einbeziehen, und dabei komme es auch auf eine geregelte Arbeitsteilung zwischen Verein und Kommune an, die in Oberursel gut funktioniere, weil die verantwortlichen Mitarbeiter/innen der Stadt und führende Mandatsträger im Verein aktiv seien. In Oberursel überlässt der Verein die internationalen Maßnahmen in den Bereichen Schule und Sport weitgehend der Stadt.



                            Birgit Röher, Vorsitzende des Oberurseler Partnerschaftsvereins VFOS, bei ihrer Präsentation.                          Rechts IPZ-Institutsleiterin Anna Noddeland.

Monika Seidenather-Gröbler, im Verein stellvertretende Vorsitzende und bei der Stadt Koordinatorin der internationalen Arbeit, stellte zusammen mit der städtischen Kinderbeauftragten Bettina Schuster-Kunovits ein aus einem zweijährigen Comenius Regio hervorgegangenes Projekt „Kinderrechte/Droits de l’Enfant“ mit der französischen Partnerstadt Epinay-sur-Seine vor. Mit professioneller Begleitung von Filmemachern und Pädagogen entstand ein zehnteiliger animierter Trickfilm, gestaltet von Grundschülern, Jugendlichen soziokultureller Zentren und Senioren beider Städte. Im Zuge des Projekts, das ursprünglich nur den Austausch von Lehrkräften umfasste, begegneten sich mehr als 250 Acht- bis Elfjährige jeweils für mehrere Tage. Nebeneffekt war eine große Nachfrage nach Französischunterricht schon im Grundschulalter und nach Frankreich als Urlaubsreiseziel. Bei den Berichten wurde deutlich, dass die Gesetzgeber aller Länder Reisen mit Kindern und Jugendlichen zu deren Schutz immer weiter erschweren.



Kinderbeauftragte Bettina Schuster-Kunovits berichtet über Erfahrungen in der
deutsch-französischen Zusammenarbeit von Kindern, Jugendlichen und Senioren.


Aus dem Vortrag von Monika Lühn vom EU-Beratungszentrum der Hessischen Staatskanzlei ging hervor, dass Beratungszentren zwar einen Überblick über viele Fördermaßnahmen geben können, die detaillierte Begleitung der oft komplizierten und im Ergebnis manchmal frustrierenden Antragstellung aber weitgehend Instituten wie dem IPZ überlassen bleibt.
Zu Beginn der Veranstaltung gab Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum den 27 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die überwiegend aus der Region kamen, einen Einblick in die internationale Arbeit seiner Stadt. IPZ-Vorsitzender Dr. Christoph Müllerleile sprach die Hoffnung aus, dass sich die Netzwerktreffen als erfolgreiche Ergänzung zu den eingespielten Förder- und Fachseminaren des IPZ weiterentwickeln. Die Tagungsleitung lag in den Händen von IPZ-Institutsleiterin Anna Noddeland.

Text + Fotos: Dr. Christoph Müllerleile


1. Netzwerktreffen für Kommunen am 26. April 2016 in Brühl

Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun!“

Dieses Zitat von Edmund Burke, welches beim ersten Netzwerktreffen der Kommunen wiederholt Zuspruch fand, bestärkte die Teilnehmer, sich mit städtepartnerschaftlichem Engagement den Herausforderungen Europas zu stellen und zur Völkerverständigung beizutragen.

Um ein Forum für Austausch und Impulse zu bieten, empfingen das IPZ und die Stadt Brühl am 26. April 2016 unterschiedliche Akteure der Partnerschaftsarbeit aus Nordrhein-Westfahlen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Mit Blick auf das UNESCO-Welterbe Schloss Augustusburg betonte Bürgermeister Dieter Freytag die Bedeutung der Kommunen, in welchen Weltpolitik aktiv umgesetzt werde. Er gab sich zuversichtlich, Europaskeptiker durch städtepartnerschaftliche Arbeit von den Vorteilen eines geeinten Europas überzeugen zu können.
Erschüttert von der fehlenden Solidarität und eingeschränkten Bewegungsräume in der Partnerschaftsarbeit mit einigen osteuropäischer Ländern, folgte vom Landtagsabgeordneten Guido van den Berg ein Ruf nach Aktion. Auch er sieht die Kommunen an zentraler Stelle. Sie verfügten über den Hebel, gemeinschaftliche Wertvorstellungen in die Zukunft Europas zu tragen. Begründet im Erfolg europafeindlicher Parteien und den Unsicherheiten über einen Verbleib Großbritanniens in der EU, schätzte er das Scheitern Europas als ein realistisches Szenario ein, welches sich allerdings zu verhindern lohne. Zur Lösung der Probleme appellierte er auch an die Rolle Deutschlands, die in Einzelfragen nicht immer dem europäischen Rahmen entspräche.

Bürgermeister Sascha Solbach erkannte in seinem Praxisbericht viele strukturelle Schwierigkeiten auch in seiner Stadt Bedburg. Er stellte bei seiner Amtsübernahme im Jahre 2014 fest, dass hier praktisch keine Europaarbeit betrieben wurde. Nach knapp zwei Jahren mit Europaaktionstagen und Praktikantenaustausch im Wirtschaftsbereich zieht er eine positive Bilanz. Im Ergebnis hat dies auch dazu geführt, dass eine neue Städtepartnerschaft mit einer spanischen Kommune in Planung ist. Großen Handlungsbedarf sieht der Bedburger jedoch bei global agierenden Wirtschaftsunternehmen bezüglich der Anwerbung ausländischer Facharbeiter.

Offen berichtete er von den aktuellen Herausforderungen im Umgang mit Europa und Flüchtlingen in seiner Stadt und der Partnerstadt in Brandenburg. Er stellte unterschiedliche Europaprojekte und den beratenden Umgang mit der Partnerstadt vor.
Nach Lyudmyla Dvorkina von der Deutschen Sektion des Rates der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) ist die Partnerschaftarbeit der Kommunen ein vorhandenes und geprüftes Instrument der internationalen Zusammenarbeit, das auch für die Lösung aktueller Fragestellungen genutzt werden könnte und sollte. Die anschließende Diskussionsrunde zeigte hier Beispiele und sammelte potentielle Lösungsansätze. Generell waren sich die Teilnehmer einig, dass der Kulturaustausch nicht mehr einziger Schwerpunkt des städtepartnerschaftlichen Engagements sein könne. Vielmehr komme es auf fachlichen Austausch und Vermittlung von Kompetenzen an. Unterschiedlicher Meinung war man bei der Fragestellung, ob Partnerschaftsarbeit politischer werden sollte. Insbesondere die Partnerschaftskomittees haben dies bislang vermieden, sehen bei der aktuellen politischen Landschaft allerdings Handlungsbedarf und möchten sich proeuropäisch positionieren. 


 
1. Netzwerktreffen für Schulen „Internationale Partnerschaften und Europaprojekte in der Schule“
am 18. April 2016 in Bergkamen

Thematische Schulpartnerschaften sind die Zukunft

Dies ist das Ergebnis des ersten IPZ-Netzwerktreffens „Internationale Schulpartnerschaften“, welches am 18. April 2016 in Bergkamen stattfand. Roland Schäfer, Bürgermeister der Stadt, begrüßte dazu 39 Multiplikatoren.

Europa solle Jugendlichen durch die Teilnahme an Austauschprogrammen das Erwerben von sozialen und interkulturellen Kompetenzen ermöglichen, betonte Landtagsabgeordneter Rüdiger Weiß. Die Teilnehmer fanden im ihm einen Ansprechpartner, der sich auch für die finanziellen und organisatorischen Belange der Schulpartnerschaften einsetzen will. Denn bekanntlich fördert das Land NRW nur Schulpartnerschaften mit Polen und Israel. Eine breitere finanzielle Unterstützung der internationalen Arbeit der Schulen, wie in den anderen deutschen Bundesländern üblich ist, ermöglicht das Land NRW nicht.

Harald Sparringa vom Städtischen Gymnasium Bergkamen, Ilka Detampel von der Willy-Brandt-Gesamtschule Bergkamen und Dr. Petra Scheidt vom Burggymnasium Essen hielten anregende Impulsvorträge zu Schulpartnerschaften und Erasmus+. Vorrangig diskutiert wurden innovative Schulprojekte im MINT-Themenbereich und potentielle Fehler sowie wichtige Projektdetails bei der Planung und Durchführung von Schulpartnerschaften. Die Kenntnisse der erfahrenen Lehrkräfte kamen bei den im Plenum sitzenden, vorrangig jüngeren und unerfahrenen Kollegen besonders gut an und somit erfüllte das Netzwerktreffen seinen Zweck.


Neu ab April 2016 - Getrennte Netzwerktreffen für Kommunen und Schulen

"Partnerschaftsarbeit in Krisenzeiten"

Europa steht am Scheideweg: Wie soll mit Themen wie dem Europaskeptizismus, den Flüchtlingen, dem wachsenden Rechtsradikalismus, der fehlenden Solidarität und der zunehmenden Kluft zwischen Ost- und Westeuropa umgegangen werden?

 


Die aktuelle Situation stellt alle international und partnerschaftlich aktiven Akteuren vor neue Herausforderungen. Viele Vereine und Kommunen sehen den Fortbestand ihrer internationalen Kooperationen im Namen der Völkerverständigung und eines friedlichen europäischen Miteinanders bedroht; zugleich herrscht Ratlosigkeit, wie mit der ablehnenden Haltung vieler Partner gegenüber der EU umzugehen ist. Über diese brisanten Themen und mögliche Lösungsansätze will das IPZ sich mit den Akteuren der Partnerschaftsbewegung austauschen. Wir widmen uns den aktuellen Fragestellungen in der internationalen Arbeit der Kommunen. Zudem wollen wir allen Städten, Gemeinden und Partnerschaftsvereinen eine Plattform bieten, ihre Netzwerke auszubauen.